Stasi-Opfer, schwul, ostdeutsch, über 40: Mario Rölligs Geschichte wird, je nach Kontext, mit jeweils anderen Schwerpunkten ins öffentliche Spiel gebracht. Jochen Hicks Annäherung rückt nichts zurecht und bringt keine falsche Ordnung in die Dynamik von Sich-Erzählen und Erzählt-Werden. Er zeigt vielmehr, zu welchen teils komischen, teils tragischen Effekten es führt, wenn Sender und Empfänger eines verfestigten Opferberichts unterschiedliche Agenden haben – und damit auch, wie verbissen die Diskurshoheit über die DDR-Geschichte immer noch verfolgt wird. Keineswegs geht es in „Der Ost-Komplex“ darum, sich über den Erzähler Röllig zu erheben; es dürfte im Gegenteil relativ einzigartig sein, wie es dem Filmemacher gelingt, trotz der spürbaren Nähe zum Protagonisten nüchtern Abstand zu halten. Illustriert werden die Audio-Collagen mit BStU-Footage, das Repression und Überwachung vor Augen führt.